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Warum Bär, Wolf und Luchs als Lernanlass?

Das Zusammenleben von Menschen mit großen Beutegreifern wie Wolf, Bär und Luchs stellt eine Lerngelegenheit dar, über die die Wirksamkeit von Schutzgebieten und die Akzeptanz von Großraubtieren mit Lernenden besprochen und dabei soziale und ökologische Entwicklungen berücksichtigt werden können.
Hintergrund ist die Unterzeichnung des Biodiversitätsabkommens (CBD, 1992) mit der sich die Vereinten Nationen verpflichtet haben, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten. Ziel des Abkommens ist es, ein Bewusstsein für den Wert der Biodiversität zu schaffen und die Thematik in schulische Curricula zu integrieren (Ziel 1 der CBD).

 

 

Wolf, Bär und Luchs als Anlass für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
EDU-Wildlife nimmt die Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs in den Fokus und entwickelt Bildungsangebote im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und vergleicht in den Konzeptionen internationale Managementsysteme. Das Projekt fördert bei Kindern und Jugendlichen neben dem Wissensaufbau somit vor allem den Erwerb von Gestaltungskompetenz. Als Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet Wissen über nachhaltige Entwicklung anzuwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung zu erkennen (vgl. de Haan, 2007). Ziel ist der Erwerb von Kompetenzen zur Gestaltung der Zukunft in aktiver und eigenverantwortlicher Form. Dabei sind sowohl rationale, emotionale als auch handlungsbezogene Komponenten und Urteilsfähigkeit besonders relevant. Nachhaltig ist in diesem Zusammenhang ein konfliktärmeres Miteinander von Mensch und Wildtieren und der Schutz einer artenreichen Umwelt.

 

Leitgedanke: Beutelsbacher Konsens
Aufgrund der Kontroversen in der Thematik und dem damit verbundenen Konfliktpotenzial ist im Hinblick auf die Durchführung der Bildungsinitiative der Beutelsbacher Konsens ein Leitgedanke. Der Beutelsbacher Konsens beinhaltet drei Grundsätze: Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Interessenlage der Schüler*innen. Zusammengefasst werden Schüler*innen in die Lage versetzt, sich eine eigene, reflektierte Meinung im Unterricht zu bilden. Gesellschaftliche Kontroversen werden auch von Lehrenden im Unterricht kontrovers dargestellt und diskutiert. Schüler*innen erhalten die Möglichkeit ihre Interessen und Werteeinstellungen mit der gesellschaftlichen und politischen Situation in Bezug zu setzen und zu analysieren.
Was ist der Beutelsbacher Konsens? Bundeszentrale für politische Bildung

 

Veranschaulichung der SDGs
EDU-Wildlife spricht auch die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDG, Ziel 15) an: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, [...] und den Biodiversitätsverlust stoppen. Die Erhaltung der Habitate und eine nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen sind für die Erhaltung wildlebender Tiere von hoher Bedeutung. Illegale Jagd und Lebensraumverlust durch engmaschige Verkehrswege und dichte Besiedlung, intensive Landwirtschaft und menschliche Freizeitaktivitäten in der Natur sind Faktoren, die Arten bedrohen. Dennoch ist der Lebensraumverlust nur einer der Faktoren, die wildlebende Tiere bedrohen. Die Gründe für den Verlust von Biodiversität sind komplex und beinhalten soziale, ökonomische und ökologische Dimensionen. Im Fall von gefährdeten Beutegreifern führen verschiedene Sichtweisen zu einem Entscheidungsdilemma, bei dem sich betroffene Akteure zwischen dem Schutz der Tierart, den ökonomischen Interessen sowie eventuell den subjektiven Sicherheitsgefühlen entscheiden müssen. Diese Situationen stellen ein Konfliktpotential dar, da menschliche Nutzungsinteressen dem Erhalt der Art entgegenstehen. Die Rückkehr und die Präsenz von großen Beutegreifern dienen da als gutes Beispiel zur Veranschaulichung von Naturschutzrichtlinien wie Natura 2000 (ein gesamteuropäisches Netz von Gebieten zum Schutz von Arten und Lebensräumen) und schaffen ein Bewusstsein für verschiedene Umweltfragen -  einschließlich der EU-Biodiversitätsstrategie 2020.

 

 

ZIELFOKUS: Pädagog*innen und Schüler*innen als Multiplikator*innen
EDU-Wildlife fokussiert Pädagoge*innen und Schüler*innen als Bildungsmultiplikatoren. In der Bildung werden Lernanlässe im Sinne einer Bildung für nachhaltigen Entwicklung aus möglichst verschiedenen Perspektiven betrachtet. Dies ermöglicht Lernenden die sog. soziale Tragfähigkeit und Koexistenz von Menschen und großen Beutegreifern objektiv zu beurteilen und sich begründet zu positionieren. Kooperationsstrukturen mit Institutionen und Initiativen aus unterschiedlichen Bereichen oder die Einbindung verschiedener Akteure unterstreicht die aktive Beteiligung an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. Hier können sich neue Perspektiven auf die Thematik ergeben, was einen sachlichen Dialog anregt und ein Verständnis für die Sichtweisen verschiedener Interessengruppen fördert.

 

Kompetenzförderung und Methodenwahl
In Anlehnung an die Kompetenzbereiche der Bildung für nachhaltige Entwicklung und dem Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung sowie den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz werden in den von uns angebotenen Bildungsmodulen folgende Kompetenzen gefördert:

  • Vorrausschauendes Denken und Handeln
  • Interdisziplinärer Erkenntnisgewinn
  • Reflektion der eigenen Leitbilder und der Leitbilder anderer
  • Empathie und Solidarität mit anderen
  • Partizipation in Entscheidungsprozessen
    Gestaltungskompetenz (de Haan & Harenberg, 1999)


Besonders durch den Einsatz von partizipativen Methoden wird das prozessorientierte und ergebnisoffene Bildungsverständnis gefördert.

 


Literatur
de Haan, G., & Harenberg, D. (1999). Expertise „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Heft 72, BLK Bonn.
de Haan, G. (2007) (Hrsg.). Orientierungshilfe Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Sekundarstufe I. Begründungen, Kompetenzen, Lernangebote. Berlin.