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Bär

Hier stellen wir Ihnen den europäischen Braunbären in einem kurzen Portrait vor.

 

Porträt

Name

Eurasian Brown Bear (Ursus arctos arctos)

 

Aussehen: Braunbären haben eine Schulterhöhe von 110 bis 150 cm und sind 80 bis 270 kg schwer. Der Braunbär hat ein dichtes und langes Fell, gelblich-braun oder rötlich-braun, manchmal dunkler, fast schwarz.

 

Spuren: Die vier Beine hinterlassen Spuren wie auf dem Bild. Bären sind in der Lage sich auf ihre Hinterbeine zu stellen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Diese Position nehmen sie aber selten ein.

 

 

Bezeichnung:

Männchen = Bär

Weibchen = Bärin

 

Lebensweise

Braunbären leben als Einzelgänger, sie dulden aber Artgenossen beider Geschlechter in ihren Streifgebieten. Im Gegensatz zu Luchs und Wolf sind sie nicht territorial. Ihre Wanderbewegungen reichen von ca. 50 bis 1500 km², wobei die Männchen eindeutig größere Streifgebiete beanspruchen.

Bären paaren sich in der Regel mit mehreren Partnern. Jungtiere verbleiben 2 ½ bis 4 Jahre bei der Mutter, eine erneute Verpaarung erfolgt erst nachdem die Jungtiere abgewandert sind. Bärenjungen werden während der Winterruhe geboren und sind bei der Geburt sehr klein (200-700 g). Sie trinken die hochnährende Milch ihrer Mutter und wachsen schnell. Wenn sie ihre Höhle im Frühjahr verlassen, werden sie schon als kleine Bären erkannt.

Wenn es Winter wird, geht der Bär in seiner Höhle in Winterruhe. Die Höhle ist in natürlichen Hohlräumen, wie unter großen Felsen, oder ist direkt in den Boden gegraben. Der Winterschlaf ist eine Anpassung an den Mangel an Nahrung aus der kalten Jahreszeit. Die Aktivität von Herz und Lunge wird in dieser Zeit reduziert, die Körpertemperatur sinkt und der Bär ist direkt abhängig von der Fettschicht, die sich am Ende der Herbstsaison angesammelt hat.

 

Nahrung

Europäische Braunbären ernähren sich überwiegend von Pflanzen und Aas im Frühjahr und von Früchten, Nüssen, Honig und Insekten im Herbst. Im Gegensatz zu nordamerikanischen Bären jagen und fischen sie sehr selten. In der Winterruhe nehmen sie weder Wasser noch Nahrung zu sich.

 

Bär und Mensch

Weidetiere / Bienen

Ganz ähnlich wie beim Wolf erbeuten Bären auch Weidetiere, wenn diese nicht ausreichend gesichert sind. Das Risiko eines Übergriffes durch Bären auf Nutztiere lässt sich durch die selben Maßnahmen wie beim Wolfsschutz reduzieren:

  • Einzäunung der Weideflächen (Zäune oder Netze)
  • Behirtung durch Menschen
  • Nächtliches Einstallen
  • Herdenschutzhunde
  • Vergrämung durch Flatterband/Lappen oder Licht (kurzfristig)

Jedes Kind weiß, Bären mögen Honig! Finden Bären Bienenstöcke plündern sie den vorhandenen Honig und hinterlassen die Bienestöcke zerstört zurück. Durch die Installation von Elektrozäunen lassen sich diese „Plünderungen” aber verhindern.

 

Hunde

Hunde sind in Bärengebieten an der Leine zu führen. Ein freilaufender Hund kann von den Bären als Bedrohung wahrgenommen werden und diese provozieren. Sucht der Hund dann Schutz beim Menschen, kann dies zu kritischen Situationen führen.

 

Wildtiere

Europäische Braunbären ernähren sich überwiegend von Pflanzen und Aas im Frühjahr und von Früchten, Nüssen, Honig und Insekten im Herbst. Im Gegensatz zu nordamerikanischen Bären jagen und fischen sie sehr selten. Aus diesem Grund werden wenig Kontroversen zum Thema Bär und Jagd geführt. Jäger sollten ihre Jagdstrategien jedoch in Bärengebieten anpassen.

Angeschossene Tiere können vom Bären als Nahrung betrachtet und verteidigt werden. Eine Nachsuche ohne Hund und in der Dämmerung ist nicht zu empfehlen. Der Hund kann die Anwesenheit von Bären schneller anzeigen. Der Aufbruch der Tiere sollte nicht in der Nähe von menschlichen Siedlungen oder Wegen erfolgen.

 

Gefahr
Obwohl Bären Menschen eher meiden, führt die ständige Präsenz von Nahrungsresten als Nahrungsquelle in der Nähe von menschlichen Siedlungen oder auf Campingplätzen dazu, dass sich Braunbären an Menschen als Futterquelle gewöhnen. Viele Begegnungen mit Bären finden in Europa in touristischen Gebieten oder in Bergsiedlungen statt, wo Nahrungsreste nicht gesammelt oder fest verschlossen werden.  

Bären, die diese Gewöhnung an eine menschliche Nahrungsquelle zeigen und es zu vermehrten Nahkontakten mit ihnen kommt, werden in Europa in bevölkerungsarme Regionen umgesiedelt oder in Wildgehege gebracht. Verhalten sich die Bären auffällig, können sie als letzte Konsequenz auch geschossen werden.

Dennoch: Direkte Begegnungen mit Verletzungen oder tödlichen Folgen zwischen Braunbären und Menschen sind in Europa selten.



Wie verhalte ich mich richtig?

Richtiges Verhalten und gutes Wildtiermanagement bzw. Monitoring spielt eine wichtige Rolle. Grundsätzlich ist es wichtig, schon den Kindern die Regeln für den Umgang mit Wildtieren beizubringen. Kleinkinder sollten im Wald immer beaufsichtigt werden.

 

Generelles Verhalten in Raubtiergebieten auf einen Blick:

  • Machen Sie Geräusche!
  • Respektieren Sie das Revier der Tiere, bedrängen Sie keine Tiere. Bleiben sie auf den Wegen.
  • Lassen Sie keine Nahrungsmittel und keinen Abfall liegen.
  • Leinen Sie Hunde an.

 

Verhalten bei realen Begegnungen mit einem Bären

Bleiben Sie ruhig – rennen Sie nicht, sondern gehen Sie langsam rückwärts, während Sie das Tier weiterhin beobachten. Wenn ein Bär sich aufrichtet, ist das noch keine Drohgebärde. Er richtet sich auf, um die Situation zu überblicken. Versuchen Sie den Abstand so groß wie möglich zu halten. Vermeiden Sie jegliche Drohungen, werfen Sie nichts oder schreien Sie nicht.

Meiden Sie Jungbären, denn oft sind die Mütter nicht weit. Sollte ein Bär auf Sie zukommen oder sogar angreifen, nehmen Sie eine Schutzstellung ein. Legen Sie sich auf den Bauch, die Hände in den Nacken und bleiben Sie regungslos. Warten Sie bis sich der Bär wirklich entfernt hat.

 

Der WWF hat ausführliche Empfehlungen für die Begegnung mit Bären aufgelistet (Weiterleitung auf pdf-Datei):

Verhalten im Bärengebiet (WWF)

 

Monitoring und Erhaltung

In Europa leben derzeit ungefähr 17.000 Bären. Die Verbreitung reicht von Gebieten im Westen Spaniens bis hin zum Osten Rumäniens. Die meisten Bären leben in den Karpaten - geschätzte 7000 Tiere – dennoch wird über die Aussagekraft der dortigen Monitoringmethoden kontrovers diskutiert. In vielen europäischen Ländern gilt der Bär aber als ausgestorben, z.B. in Deutschland. In Österreich sind wiederangesiedelte Bären wieder verschwunden. Ziel des Monitorings ist es, aktuelle und verlässliche Daten über den Zustand der Bärenpopulation und die Konflikte mit Menschen zu liefern. Die Monitoringmethoden umfassen: genetische Analyse, Telemetrie, Fotokamera-Trapping, Beobachtung von Bärinnen mit Jungtieren, Sammeln von Anwesenheitsmerkmalen (Kot, Sichtungen, Kratzspuren, Fährten, Sektion von toten Tieren).

Es wird gesagt, dass die Anwesenheit von Bären in einem Waldökosystem die Gesundheit des Waldes signalisiert und für dessen Größe, Reichtum an Kräutern, Waldfrüchten und Pilzen spricht. Der Braunbär ist ein wichtiger Verbreiter von Fruchtsamen und Pilzhyphen und die Forschung untersucht seinen Beitrag zur Schaffung von Ressourcen und Lebensräumen für andere Arten. Seine Anwesenheit könnte also die Bedingungen für die Artenvielfalt verbessern.
Bären sind in Europa geschützte Arten gemäß der Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen Wildtiere und natürlicher Lebensräume (1979) und der EU-Habitatrichtlinie (1992). Die Bärenpopulationen blieben in den letzten zehn Jahren aufgrund von Schutzmaßnahmen in den meisten Gebieten stabil. Dennoch sind Bären besonders durch den stetigen Lebensraumverlust und durch illegale Jagd bedroht. Die Zunehmende Zersplitterung der natürlichen Lebensräume und rasante ländliche und städtische Entwicklung führt verstärkt zu Nahkontakten, die die Toleranz gegenüber Bären reduzieren kann (siehe auch Bär und Mensch).

Die FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), in der auch der Braunbär gelistet ist, verfolgt das Ziel für alle einheimischen und bedrohten Arten und deren Lebensräumen einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen und zu erhalten.

 

Der Erhaltungszustand einer Art in einer biogeographischen Region wird als „günstig“ betrachtet, wenn

  • aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Art anzunehmen ist, dass diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig weiterhin bilden wird, und
  • das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art weder abnimmt noch in absehbarer Zeit vermutlich abnehmen wird und
  • ein genügend großer Lebensraum vorhanden ist und wahrscheinlich weiterhin vorhanden sein wird, um langfristig ein Überleben der Populationen dieser Art zu sichern (FFH-Richtlinie Art. 1 i).