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Luchs

Hier stellen wir Ihnen den europäischen Luchs in einem kurzen Portrait vor.

 

Portrait

 

Name

Eurasian Lynx (Lynx lynx)

 

Aussehen: Der Luchs hat eine Körperlänge von 90-120 cm (selten bis zu 130 cm). Der Schwanz ist nur 11-26 cm lang. Die Schulterhöhe beträgt bis zu 70 cm und sein Gewicht liegt bei ca. 40 kg. Das Fell ist dick und weich, seine Farbe variiert je nach Alter, Jahreszeit und Individuum. Es ist in der Regel braun-rötlich mit vielen Punkten, das Fell kann aber auch dunkelgrau am Kopf, Nacken und Rücken sein mit einem weißlichen Bauch. Der Luchs ist ein nachtaktives Tier. Er hat ein sehr gutes Sehvermögen sogar im Dunkeln.

 

Spuren: Luchse ziehen ihre Krallen beim Laufen ein, daher sind ihre Fährten ohne Krallenabdrücke. Die übliche Gangart ist der Schritt, sie "schnüren" dabei ähnlich wie der Wolf.

 

 

Bezeichnung
Männchen = Kuder

Weibchen = Katze

 

Lebensweise

Luchse leben als Einzelgänger, die Reviere von Männchen und Weibchen überlappen sich. Ihre Reviergrößen reichen von ca. 50 bis 400 km², wobei die Männchen eindeutig größere Streifgebiete beanspruchen. Frische Urinspuren markieren die Reviere und wirken auf Artgenossen abweisend, in der Paarungszeit jedoch anziehend.

Die Katze zieht die Jungtiere alleine groß. Nach 10 - 12 Monaten verlassen die Jungen das Revier.

 

Nahrung

Der Luchs ist ein Ansitzjäger. Er ist auf das Lauern und kurze Sprints spezialisiert. Der Luchs macht schnelle und geräuschlose Bewegungen, wodurch er die Beute unerwartet angreifen kann. Er kann aus dem Stand bis zu 4-6m in jede Richtung springen. In Europa frisst der Luchs vor allem mittelgroße Schalenwildarten wie Reh, Gämse oder Mufflon. Aber auch Kleinsäuger und Vögel gehören zum Beutespektrum. Der Luchs hört aus 60 Metern Entfernung eine Maus.

 

  • Der Luchs ist oft Symbol für Wildnis und unberührte Natur. Gleichzeitig haben Projekte zur Wiederansiedlung von Luchsen sowohl bei Landwirten als auch bei Jägern Befürchtungen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Weidetierhaltung und die traditionelle Jagd hervorgerufen. Näheres siehe Luchs und Mensch.

 

Luchs und Mensch

Weidetiere

Aufgrund seiner Spezialisierung auf mittelgroße Beutetiere, stellt der Luchs kaum Gefahr für die Pferde- und Rinderhaltung dar. Bei Luchsvorkommen ist jedoch mit Schäden bei der Schaf- und Ziegenhaltung sowie bei der Haltung von Gatterwild zu rechnen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass die zu erwartenden Schäden, die Luchse an Weidetieren verursachen, im Vergleich zum Schadensumfang durch andere Großraubtiere eher moderat sind und sich zudem aufgrund der Standortbegebenheiten gut vorhersehen lassen (Kaphegyi und Dees, 2010).

Viele Länder unterstützen präventive Schutzmaßnahmen der Weiden oder leisten Ausgleichszahlungen für vom Luchs verursachte Schäden. Angepasste Haltungsformen sind der beste Herdenschutz. Erfolgsversprechend sind Schutzmaßnahmen mit Elektrozäunen und die Kopplung in Siedlungsnähe oder oberhalb der Waldgrenzen. Auch Herdenschutzhunde sind gegen Luchsangriffe gut einzusetzen. Holzpfähle können Luchse mit ihren Krallen sehr gut überklettern, hier haben sich z.B. Pfähle aus Metall bewährt.

 

Hunde

In Luchsgebieten können Hunde – nach Beachtung der jeweiligen Waldgesetze – auch ohne Leine gefahrlos laufen. Allerdings sollten die Hunde im Wald generell unter der Beaufsichtigung der Menschen bleiben. Eine Katze, die ihre Jungtiere vor Hunden verteidigen muss, kann selbstverständlich auch für einen Hund gefährlich werden. Auch würden Luchse ihre Beute vor einem möglichen Konkurrenten wie einem Hund durch Tatzenhiebe verteidigen.

 

Wildtiere

Die Hauptbeute der Luchse in Europa ist das Rehwild. Die Luchse haben große Streifgebiete, halten sich aber in Regionen mit hoher Beutedichte gerne länger auf. Dies kann vor allem bei Winterfütterungsplätzen oder menschlichen Jagdrevieren zu Konflikten führen. Um die Toleranz gegenüber den Tieren zu stärken, haben ein paar Initiativen in verschiedene Regionen z.B. in Bayern Meldeprämien für gerissene Wildtiere eingeführt. Für die Meldung der Risse erhält der Jagdpächter somit einen Ausgleich; gleichzeitig können die wertvollen Daten für die Forschung genutzt werden.

 

Gefahren

Es sind keine tödlichen Angriffe von Luchsen auf Menschen belegt. Die wenigen dokumentierten Fälle, bei denen es zu Verletzungen durch Luchse kam, beruhen auf Situationen, in denen der Luchs keine Fluchtmöglichkeit hatte und/oder sogar geärgert wurde.

 

Monitoring und Erhaltung

Luchse leben derzeit in 23 europäischen Ländern. Die geschätzte Gesamtzahl der eurasischen Luchse liegt bei etwa 9000 Individuen, und die meisten Populationen waren im letzten Jahrzehnt im Allgemeinen stabil, obwohl die meisten der aktiv wiederangesiedelten Populationen bei relativ kleinen Größen zu stagnieren scheinen. Zu den Monitoringmethoden der Luchspopulationen gehören: genetische Analyse, Telemetrie, Schneesuche im Winter, Fotokamera-Trapping, Haarfallen, Sammeln von Anwesenheitsmerkmalen (Kot, Beute, Sichtungen), Autopsie von toten Tieren

Der Luchs ist gemäß der Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen Tier- und Pflanzenwelt (1979) und der EU-Habitatrichtlinie (1992) eine geschützte Art in Europa. Es gibt Regionen in Europa, in denen der Luchs nie ausgestorben war und beständige Vorkommen existieren, wie Skandinavien, die Karpaten und der Balkan. Einige Länder, in denen Luchse ausstarben, z.B. Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und die Schweiz, haben Auswilderungsprojekte durchlaufen, und dadurch das Verbreitungsgebiet der Luchse erweitert. Inzwischen ist der Luchs aufgrund von Erhaltungsmaßnahmen auch in Länder wie Lettland, Bulgarien und Ungarn aus Nachbarländern zurückgekehrt.

Die FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), in der auch der Luchs gelistet ist, verfolgt das Ziel für alle einheimischen und bedrohten Arten und deren Lebensräumen einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen und zu erhalten.

Der Erhaltungszustand einer Art in einer biogeographischen Region wird als „günstig“ betrachtet, wenn

  • aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Art anzunehmen ist, dass diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig weiterhin bilden wird, und
  • das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art weder abnimmt noch in absehbarer Zeit vermutlich abnehmen wird und
  • ein genügend großer Lebensraum vorhanden ist und wahrscheinlich weiterhin vorhanden sein wird, um langfristig ein Überleben der Populationen dieser Art zu sichern (FFH-Richtlinie Art. 1 i).