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Wolf

Hier stellen wir Ihnen den europäischen Wolf in einem kurzen Portrait vor.

 

Porträt

Name

Wolf (Canis lupus)

 

Aussehen: Die Körperlänge des Wolfes beträgt 110-140 cm; die meist hängende Rute ist ca. 35-45 cm lang. Wölfe habe eine Schulterhöhe von 70 – 90 cm. Das Gewicht liegt zwischen 30 und 50 kg. Die Weibchen sind in der Regel kleiner und leichter.

Das Fell kann von dunkelgrau bis braungrau mit leichten Schwarztönen variieren. Kennzeichnend ist der schwarz abgesetzte Sattelfleck auf dem Rücken, die gelben Augen und der weiße Latz um die Schnauze.


Spuren: Typisch für den Wolf ist der energiesparende, geschnürte Trab, der die typische Fährte hinterlässt.

 

 

Bezeichnung

Männchen = Rüde

Weibchen = Fähe

 

Lebensweise

Wölfe leben in Rudeln. Diese grundlegende soziale Einheit besteht aus einem fortpflanzungsfähigen Paar und deren Nachwuchs (Ø 8 Tiere). Wölfe suchen einen Partner fürs Leben und sind in der Regel monogam. Beide Partner halten die familiären Bindungen aufrecht und ziehen Jungtiere gemeinsam groß. Die einjährigen Jungtiere helfen dem Paar bei der Aufzucht der nächsten Generation und wandern dann ab, um mit diesen Erfahrungen ein eigenes Rudel zu gründen. Jungtiere werden blind und taub geboren, mit blauen Augen. Sehen und hören können sie erst Wochen nach der Geburt; ihre Augenfarbe wechselt später erst zu gelb.

Die Territoriumsgröße einer Wolfsfamilie beträgt je nach Landschaft und Nahrungsangebot ca. 150-

350 km². Das Gebiet wird mit Kot und Urin markiert und gegen fremde Wölfe verteidigt. So bleibt die Anzahl der Wölfe in einem Gebiet relativ konstant.

Wölfe spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie schwache und kranke Individuen erbeuten und so zur Gesundheit der Populationen in ihrern Streifgebieten beitragen. Mit der Regulierung der Pflanzenfresser nehmen Verbissschäden ab und es verändert sich die Diversität und Verbreitung der Vegetation.

 

Nahrung

Der Wolf ist ein Beutegreifer. Sie ernähren sich in Europa überwiegend von Huftierarten / Schalenwildarten (z.B. Rentiere, Rehe, Rotwild, Wildschweine). Wenn nichts Besseres gefunden wird, können Kleinsäuger oder Insekten sowie Früchte und Beeren oder selten Aas auf dem Speiseplan stehen.

  • Ungeschützte Weidetiere sind für Wölfe leichte Beute. Gelangen Wölfe auf die Weide, erlegen sie mehrere Weidetiere, da diese im eingezäunten Gebiet immer wieder den Jagdtrieb der Wölfe wecken. In Gebieten mit Wolfsvorkommen ist Herdenschutz deshalb unerlässlich. Näheres siehe Wolf und Mensch.

 

Wolf und Mensch

Weidetiere

Wölfe ernähren sich auch von Weidetieren, wenn diese nicht wolfssicher eingezäunt oder von Herdenschutzhunden bewacht sind. Vor allem ungeschützte Schafe und Ziegen sind leicht zu erbeuten – das spart Energie. Aber auch junge Rinder ohne Mutterkühe sind gefährdet. Dies ist das Hauptthema der gesellschaftlichen Debatten und Diskussionen über den Schutzstatus von Wölfen sowie ihre Koexistenz mit Menschen im dicht besiedelten Europa unserer Zeit.

 

5 Maßnahmen werden in Europa als Herdenschutz umgesetzt:

  • Einzäunung der Weideflächen (Zäune oder Netze)
  • Behirtung durch Menschen
  • Nächtliches Einstallen
  • Herdenschutzhunde
  • Vergrämung durch Flatterband/Lappen oder Licht (kurzfristig)

 

Die Regulation der Wolfspopulation als Herdenschutzmaßnahme ist nur in Ausnahmefällen und nur unter bestimmten Voraussetzungen z.B. einem günstigen Erhaltungszustand der Population in Europa möglich. Die Behirtung, das Einstallen der Nutztiere in der Nacht, Elektrozäune sowie Herdenschutzhunde sind unerlässlich, um Verluste zu vermeiden. Junge Wölfe wandern auf der Suche nach Territorien weite Strecken, ungeschützte Weidetiere wären eine leichte Beute. Viele Länder unterstützen präventive Herdenschutzmaßnahmen oder leisten Ausgleichszahlungen, wenn der einzuhaltende Mindestschutz gegen Wölfe überwunden wurde. Einige europäische Länder betonen in ihren Managementplänen die Zahlung von Entschädigungen, andere setzen auf Prävention und Herdenschutz, um Konflikte gleich zu reduzieren und langfristig zu mindern. Ein gutes Management bezieht Interessengruppen ein, um Lösungen gemeinsam zu entwickeln. Aber der Bau von Zäunen, die tägliche Kontrolle, das Abmähen der Wiese, damit der Stromzaun funktioniert, nehmen viel Zeit und damit auch Geld in Anspruch.

Zudem wird u. a. argumentiert, dass der Schutz nicht bei allen Haltungsformen, etwa bei der Schafhaltung für die Deichpflege, umzusetzen ist.

Ein sinnvoller partizipativer Ansatz ist die Mitbestimmung von betroffenen Personen, wie eine konfliktärmere Koexistenz gelingen kann.

 

Beutegreiferfreie Zonen?

Einige Landwirte schlagen wolfsfreie Regionen vor, wo eine hohe Dichte an Nutztieren aufzuweisen ist. Dies würde bedeuten, dass innerhalb dieser Regionen Wölfe bejagt werden. Gegenargumente besagen, dass dadurch die Wanderbewegungen der Wölfe erschwert werden, die jedoch wichtig für den genetischen Austausch sind. Zudem können diese Zonen Herdenschutz nicht ersetzen, da neue Wölfe die freien Territorien besetzen und die ungeschützten Weidetiere erbeuten.

Aber nicht jede Herdenschutzmaßnahme eignet sich für die gleiche Landschaft. Mit den betroffenen Weidetierhaltern müssen oft individuelle Lösungen und Kompromisse gefunden werden.

In Gegenden, wo flächendeckend ein Mindestschutz eingehalten wird, gehen Angriffe auf Nutztiere zurück.

 

Hunde

Hundehalter sollten in Gebieten mit Wolfsvorkommen ihre Hunde bei sich führen und nicht von der Leine lassen. Auch bei der Jagd mit Hunden sollte die Anwesenheit von territorialen Wölfen bedacht werden. Wölfe können Hunde als Konkurrenten um ihr Territorium oder gar als Beute wahrnehmen und diese angreifen. In der Paarungszeit werden Hunde auch als potenzielle Fortpflanzungspartner gesehen. Dies könnte zu einer Hybridisierung (Vermischung der Gene von Hunden und Wölfen) führen. Diese Wolfshybride stellen ein Artenschutzproblem dar.

Nähert sich ein Wolf einem Halter mit Hund jedoch aggressiv, lautet die Verhaltensempfehlung aus der Literatur, den Hund zum eigenen Schutz abzuleinen.

 

Wildtiere

Die Bestandsentwicklung der Wölfe hängt von der Verfügbarkeit der Beutetiere ab. Wölfe wählen ihre Reviergrößen in Abhängigkeit von der Beutetierverfügbarkeit. Eine hohe Bestandsdichte an Beutetieren bedeutet eine gute Entwicklungsmöglichkeit für den Wolf; weniger Beutetiere führen zu einer geringeren Vermehrungsrate. Das Revier muss über einen längeren Zeitraum genügend Beutetiere für das Rudel, Wasserquellen und Rückzugsmöglichkeiten für die Aufzucht der Welpen bieten. Die Beziehung zwischen Räuber und Beute ist dynamisch und unterliegt natürlichen Schwankungen. Wölfe rotten in der Regel ihre Beutetiere nicht aus.

Da die Beutetiere der Wölfe in unserer Kulturlandschaft weiteren Einflüssen wie der Jagd- bzw. Forstwirtschaft und Störungen durch Waldbesucher unterliegen, ist eine Beobachtung der Schalenwildpopulation sinnvoll. Auch für die korrekte Erfassung von Auswirkungen auf die Jagd müssen Verhalten, Reproduktion und Populationsgrößen sowie das Raumnutzungsverhalten der Wölfe untersucht und auch Lebensraumveränderungen berücksichtigt werden. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass die Jagdstrecken bei Wolfsvorkommen nicht abnehmen – Jäger berichten von einer Verhaltensänderung des Schalenwildes (z.B. größere Herdenbildung), das eine Anpassung der menschlichen Jagdstrategien erfordert.

 

Gefahren

Kurz vorweg: Durch die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen verschärfen sich Flächennutzungskonflikte zwischen Menschen und Wildtieren. Viele Menschen fürchten die Begegnung mit wehrhaften Wildtieren wie z. B. Wölfen.

Nutzen wir die Natur zur Erholung, müssen wir bedenken, dass Wälder und Wiesen der Lebensraum von Wildtieren sind. Direkte Begegnungen sind selten, können aber vorkommen.

 

Gab es Vorfälle?

Angriffe von Wölfen gab es in Europa nur in Ausnahmefällen durch Gewöhnung an Menschen oder Tollwut- Erkrankungen.

 

Studien aus Nord-Amerika und Europa zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen durch Wölfe eher gering ist (z. B. Linell et al., 2002; McNay, 2002). In den wenigen dokumentierten Fällen von Wolfsangriffen waren die Tiere an Menschen habituiert (gewöhnt), verteidigten sich oder waren an Tollwut erkrankt. Diese Wildtierkrankheit ist jedoch in Deutschland seit ca. 2007 nicht mehr aufgetreten. Tödliche Angriffe durch freilebende Wölfe wurden vor allem in Indien bei Kindern dokumentiert, wo sich die Tiere wegen der begrenzten Wildtierbestände nicht von ihren natürlichen Beutetieren ernähren können. Im Jahr 2010 wurde in Alaska ein tödlicher Angriff durch Wölfe als wahrscheinlich angenommen (Butler et al., 2011). Der Bericht betont die Seltenheit des Vorfalls und weist darauf hin, dass Wölfe wehrhafte Wildtiere sind, zu denen man bei zufälliger Begegnung Abstand halten sollte, und dass die Gewöhnung an Menschen zu vermeiden sei.

 

In Deutschland gab es seit Beginn des Monitorings im Jahr 2000 keinen nachgewiesenen Übergriff auf Menschen. Der Sicherheit des Menschen wird in allen Managementplänen zum Wolf höchste Priorität zugesprochen. Durch die kontinuierliche Erfassung der Tiere und die Verhaltensdokumentationen kann auf auffälliges Verhalten schnell reagiert werden. Der derzeitige Schutzstatus lässt bereits eine Vergrämung und in letzter Konsequenz eine Tötung von verhaltensauffälligen Wölfen zu, sei es, sie fallen durch Spezialisierung auf Weidetiere oder fehlende Scheu vor Menschen auf. Dieser Fall trat in Deutschland nach der Rückkehr der Wölfe einmalig jeweils in Sachsen und in Niedersachsen ein. Die beiden durch Gewöhnung als auffällig eingestuften Wölfe wurde auf Veranlassung der Ministerien geschossen.

 

 

Wie verhalte ich mich richtig?

Richtiges Verhalten und gutes Wildtiermanagement bzw. Monitoring spielt eine wichtige Rolle. Grundsätzlich ist es wichtig, schon den Kindern die Regeln für den Umgang mit Wildtieren beizubringen. Kleinkinder sollten im Wald immer beaufsichtigt werden.

 

Generelles Verhalten in Raubtiergebieten auf einen Blick:

  • Machen Sie Geräusche!
  • Respektieren Sie das Revier der Tiere, bedrängen

Sie keine Tiere.

  • Lassen Sie keine Nahrungsmittel und keinen

Abfall liegen.

  • Leinen Sie Hunde an.

 

Verhalten bei realen Begegnungen mit einem Wolf

Bleiben Sie ruhig – rennen Sie nicht, sondern gehen Sie langsam rückwärts, während Sie das Tier weiterhin ansehen.

Sollte sich Ihnen ein Wolf trotz Ihres Rückzuges weiterhin sogar aggressiv nähern, verhalten Sie sich ebenfalls aggressiv – bewerfen Sie ihn notfalls mit Gegenständen.

 

Monitoring und Erhaltung

Wölfe leben derzeit in 28 Ländern in Europa, von Portugal bis zu den skandinavischen Ländern und hinunter zum Balkan und Griechenland. Die geschätzte Gesamtzahl beläuft sich auf etwa 12.000 Individuen, die in 10 regionale Populationen zusammengefasst sind. Zu den Monitoring- also Beobachtungsmethoden der Wolfspopulation gehören: genetische Analyse, Telemetrie, Schneesuche im Winter, Fotokamera-Trapping, Heulanimationen, Sammeln von Anwesenheitsmerkmalen (Kot, Beute, Sichtungen, Fährte), Autopsie von toten Tieren.

 

In die Fotofalle getappt (Film: U. Kruse):

 

 

Wölfe sind gemäß der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen Wildtiere und der natürlichen Lebensräume (1979) und der EU-Habitatrichtlinie (1992) eine geschützte Art in Europa.

Die Wolfspopulationen haben grenzüberschreitende Verbreitungsgebiete, und deshalb sind gemeinsame Management- und Erhaltungsmaßnahmen von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung der Arten in Europa. Der erste Schritt in diesem Sinne war die 1973 von der Wolf Specialist Group der IUCN (International Union for Natural Conservation) in Stockholm unterzeichnete Erklärung der Prinzipien zur Erhaltung der Wolfspopulationen. Dieses besagt, dass "Wölfe das Recht haben, in lebensfähigen Populationen in der Wildnis zu existieren. Das ergibt sich aus dem Recht aller Lebewesen, mit den Menschen als Teile der natürlichen Ökosysteme zu koexistieren."

Seitdem bemühen sich die europäischen Länder um eine konfliktarme Koexistenz in enger Abstimmung mit der Bevölkerung.

 

Die FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), in der auch der Wolf gelistet ist, verfolgt das Ziel für alle einheimischen und bedrohten Arten und deren Lebensräumen einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen und zu erhalten.

 

Der Erhaltungszustand einer Art in einer biogeographischen Region wird als „günstig“ betrachtet, wenn

  • aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Art anzunehmen ist, dass diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig weiterhin bilden wird, und
  • das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art weder abnimmt noch in absehbarer Zeit vermutlich abnehmen wird und

ein genügend großer Lebensraum vorhanden ist und wahrscheinlich weiterhin vorhanden sein wird, um langfristig ein Überleben der Populationen dieser Art zu sichern (FFH-Richtlinie Art. 1 i).